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Workshop „Kolonisierung und Dekolonisierung archäologischen Gedankengutes – Zur Interdependenz von Altertumswissenschaften und moderner Kolonialgeschichte“ am 17. November 2017

 

Organisation: Abteilung für Provinzialrömische Archäologie (IAW) & Freiburger Institut für Paläowissenschaftliche Studien - Albert-Ludwigs-Universität Freiburg -

Tagungsort: Glacisweg 7, 79098 Freiburg

 

Programm:

9:10 bis 9:20

Begrüßung und allgemeine Einführung in das Thema des Workshops

Alexander Heising (Freiburg) & Raimar W. Kory (Freiburg)

 

 I) 9:20 bis 10:40 Erstes Panel

Chair: Brigitte Röder (Basel)

Geschichte der Menschen und Geschichte der Natur in der Frühen Neuzeit: Einige Bemerkungen und Forschungsperspektiven

Simona Boscani Leoni (Bern)

Coloniality, nature and the tragedy of modern human origins

Martin Porr (Perth)

 

10:40 bis 11:10 Kaffeepause

 

II) 11:10 bis 12:30 Zweites Panel

Chair: Astrid Möller (Freiburg)

Archäologie in Ägypten und westlicher Kolonialismus am Nil, 1798–1914

Maximilian Georg (Leipzig)

Reclaiming a Narrative: Untold Egyptian Histories from Early Egyptology

Nora Shalaby (Berlin)

 

12:30 bis 13:50 Mittagspause

 

III) 13:50 bis 15:10 Drittes Panel

Chair: Susanne Grunwald (Berlin)

Die Spatenwissenschaft und die koloniale Vielfalt. Deutschsprachige Archäologen in der Südsee

Hilary Howes (Canberra)

Archäologie und kolonialer Zeitgeist: Das Beispiel der Kelten in französischen Schulbüchern

Miriam Sénécheau (Freiburg)

 

15:10 bis 15:30 Kaffeepause

 

IV) 15:30 bis 17:00 Viertes Panel

Chair: Gabriele Seitz (Freiburg)

Smoked bodies and stone axes. Gottfried Semper's colonial references

Elena Chestnova (Mendrisio/Lugano)

Der Lehrer, Archäologe, Historiker, Volkskundler Felix Milleker (1858-1942) und das Banatgebiet im Süden des Habsburgerreiches

Michael Prosser-Schell (Freiburg)

Ernst Fabricius – Berühmter Limesforscher, Deutschtumsfunktionär und Kolonialapologet

Heiko Wegmann (Freiburg)

 

17:00 bis 17:20 Pause

 

V) 17:20 bis 18:00

Abschlussdiskussion

 

Die Teilnahme am Workshop steht allen Interessenten offen und ist kostenfrei. Aus Platzgründen wird in jedem Fall um vorherige persönliche Anmeldung bis spätestens 15.11.2017 gebeten.

 

Bei Interesse wenden Sie sich bitte an die Organisatoren:

Thomas S. Carhart

Abteilung für Provinzialrömische Archäologie  I.A.W.
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

Raimar W. Kory

Freiburger Institut für Paläowissenschaftliche Studien F.I.P.S. c/o
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

Alexander Heising
Direktor der Abteilung für Provinzialrömische Archäologie  I.A.W.
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

 

 Download Programm PDF

 

Das Freiburger Institut für Paläowissenschaftliche Studien sowie die Abteilung für Provinzialrömische Archäologie des Instituts für Archäologische Wissenschaften der Universität Freiburg richten am 17. November 2017 in Freiburg einen Workshop zum Thema „Kolonisierung und Dekolonisierung archäologischen Gedankengutes – Zur Interdependenz von Altertumswissenschaften und moderner Kolonialgeschichte“ aus. Dieser Workshop möchte auf das große Potential dieser mitunter vernachlässigten Problematik aufmerksam machen und interessierten Kolleginnen und Kollegen aus dem In- und Ausland als Plattform für den interdisziplinären Dialog dienen.

State expansion, suppression of conquered cultural landscapes and indigenous assimilation or adoption have been and still are core content and areas of research in the traditional archaeological disciplines of classical antiquity and the early middle ages. From the studies of the emergence, expansion and decline of the first cultural landscapes of the Near East, India and Central Asia to the Far East and China into the dialogue of the classical ages of the Greek and Roman cultural diffusion, subjugation and seeming integration of culturally “less advanced” peoples and landscapes, or the wish of those for integration, on the fringe of or – as one may see it – at the frontiers of antiquity through to the dawning of Medieval times the research and results thereof have been deeply influenced by and in turn have influenced the cultural concepts and ideologies of western colonisation. Not just the periods of classical and archaeological enlightenment in the 17th and 18th centuries and before, but particularly the academic turn of the 19th and early 20th centuries was instrumental in forming the way in which every western colonial administration understood itself. Every colonial official that left for the “Empire” regardless of nationality and the empire saw, understood and compared their Empire in their minds' eye with antiquity, but even more so the colonial imagination of the great majority of western peoples who stayed behind. Also the academic disciplines developing this understanding mirrored the experience of colonialism and Empire. The interaction of the two over time are in part causal not just for the past but also for the modern day production of spatial grounded knowledge and its understanding in particular in both the field of archaeological research and theory as well as in the comprehending of concepts, visions and the generation of global knowledge and western prejudice. Can that which has been seen or conceived in the anthropogenic rest be freed of colonialism or perhaps does one or can one see colonialism or more important – can one describe a decolonisation in antiquity? Is not a reevaluation of the traditional concepts and interpretations of the archaeological rest or past on the order of the day if one is looking to decolonise knowledge that was in its origin build upon concepts and interpretations of the archaeological rest?

 

The papers of this session will try to decolonise a little of the archaeological knowledge of antiquity so as to help decolonise some of the underlying concepts and assumptions on modern spatial knowledge and with it a little of the global south.

 

Wir interessieren uns für Papers/ Beiträge, die sich u. a. mit folgenden Inhalten auseinandersetzen:

 

1) Kolonialisierung bzw. Dekolonialisierung von Antike und Frühmittelalter: Was versteht das Fach darunter, besonders im Vorfeld, während und nach dem neuzeitlichen Kolonialismus?

 

2) Zum Niederschlag der historischen Kolonialismusbilder in der Wahrnehmung des Kolonialismus bei der allgemeinen Gesellschaft bzw. den kolonialen Verwaltungen (Zivilbeamte und Militärs sowie Geistliche u.a.).

 

3) Die gegenseitige Wechselwirkung zwischen kolonialen Erfahrungen und der Wissenschaft (Archäologie und Geschichtsfächer) untersuchen. Hier interessiert besonders die Frage, ob Bilder von verschiedenen gesellschaftlichen Entwicklungsstufen der archäologischen Kulturtheorien auf die indigenen Bevölkerungen in den jeweiligen Kolonien übertragen wurden und somit Handlungsimperative geformt haben.

 

4) Ist z. B. zu erkennen, dass die kolonialen Verwaltungen im muslimischen Nahen Osten, Indien bzw. Indonesien nach z. B. griechisch-römischem Vorbild gehandelt haben, und in der neuen Welt und Afrika usw. von einem neolithischen Vorbild geleitet wurden? Wurden bspw. die Ägypter anders behandelt, weil es dort früher eine „Hochkultur“ gegeben hat?

 

5) Erwünscht sind auch Beiträge zum Einfluss des Kolonialismus auf die gegenwärtige archäologische Lehre, Forschung und Theoriebildung – aber auch umgekehrt, und zur Frage, wie viele der heutigen Vorstellungen über ehemalige Kolonialgebiete noch mit archäologischem Gedankengut verhaftet sind?

 

6) Sind z. B. direkte Transfers möglich gewesen? Haben die Deutschen in Südwestafrika bei der Auseinandersetzung mit den „Herero“ und „Nama“ z. B. Caesar und die Usipeter oder Tenkterer am Niederrhein vor Augen gehabt oder als „Erben“ alter „Germanenreiche“ agiert?

 

7) Kann die Kenntnis des historischen Verständnistransfers heute helfen, um gegenwärtige Annahmen und Informationen zu dekonstruieren bzw. „zurecht zu rücken“ und somit falsche Vorstellungen zu entmachten?

 

8) Von zentraler Bedeutung ist die Frage inwieweit die akademische Welt und speziell die Archäologie Einfluss auf die koloniale Politik und deren öffentliche Darstellung genommen haben?

 

Andere Ansätze bzw. Herangehensweisen zu diesem Thema sind ebenfalls willkommen. Bei Interesse wird um eine kurze Rückmeldung mit einem Titelvorschlag für einen deutschsprachigen, englischsprachigen oder französischsprachigen Vortrag von 30 bis 45 Minuten gebeten.

Poster können ebenfalls eingereicht werden.

Einsendeschluss ist der 30. September 2017.